Zahlen und Fakten zum Hochwasser 2002
 
  Pressemitteilung von Montag, 9. September 2002
Landeshauptstadt Magdeburg

"Keine Katastrophe in Magdeburg, dennoch Millionen-Schäden"
OB Dr. Trümper zieht Hochwasser-Zwischenbilanz

Magdeburg. Auch wenn Magdeburg in den Tagen des Hochwassers einer Katastrophe entging, die Schäden sind auch in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts immens. "Allein die Schäden an der Infrastruktur - bei Straßen und Brücken, Parks und Grünanlagen, Sport- und Freizeiteinrichtungen - betragen mindestens 22 Mio. Euro", zieht Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper eine erste Bilanz. "Hinzu kommen Schäden an privaten Gebäuden und bei Unternehmen, Kosten für Produktionsausfall und Umsatzeinbußen."

Schwer getroffen hat es die historischen Parkanlagen im Herrenkrug und Stadtpark. Dort summieren sich die Schäden an Grünanlagen, Wegen und Brunnen auf mindestens 1,7 Mio. Euro. Schwer geschädigt wurden zudem die Bootshäuser und Sportplätze im Stadtpark (1,6 Mio Euro), das Haus der Athleten (0,75 Mio. Euro) sowie der Sportpark und die Rennwiesen im Herrenkrug (4,7 Mio. Euro). Für das Hotel im Herrenkrug werden die Schäden auf 6,5 Mio. Euro geschätzt. Betroffen sind außerdem die Stadthalle, wo die Haustechnik beschädigt wurde (0,175 Mio. Euro) sowie die Gewächshausanlagen des Stadtgartenbetriebes im Herrenkrug, wo eindringendes Wasser Gebäude und Pflanzen zerstört hat (0,4 Mio. Euro).

Die Schäden an Straßen und Brücken schätzt das städtische Tiefbauamt auf 1,25 Mio. Euro. Besonders betroffen sind die Straßen Alt Salbke, der Kleine Stadtmarsch, die Herrenkrugstraße sowie die Saalestraße. Beschädigt wurden der Tunnel Friedensweiler (unter der B 1), die Gewölbe der Anna-Ebert-Brücke und die Sülzebrücke in Alt Salbke. Auch an der Brücke Seilerweg im Stadtpark und an der Fußgängerbrücke am Cracauer Wasserfall hat das Wasser Schäden hinterlassen, die repariert werden müssen. "Trotz der Förderprogramme von Land und Bund werden wir Monate brauchen, um die Folgen des Hochwassers zu beseitigen und die Schäden zu reparieren", schätzt Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper ein.

Inzwischen hat sich das Leben auch in den am stärksten gefährdeten Stadtteilen östlich der Elbe weitgehend normalisiert. Unter der Regie des Städtischen Abfallwirtschaftsbetriebes laufen seit dem 26. August die Aufräumarbeiten. Insgesamt sind mehr als 2 Mio. Sandsäcke wegzuräumen.

Sie werden entsorgt oder - sofern Sand und Sack nicht mit Wasser in Berührung gekommen sind - wieder verwendet. "Die Aufräumarbeiten werden insgesamt noch rund sechs Wochen andauern", schätzt Magdeburgs Ordnungsbeigeordneter Holger Platz ein. "Die Kosten, die dafür beim Städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb anfallen, belaufen sich auf rund 1,6 Mio. Euro."

Am vergangenen Mittwoch konnte das städtische Hochbauamt Entwarnung für die Bördelandhalle geben: Dort hatten 120.000 Sandsäcke den Hallenboden beschwert, um ein Gegengewicht zum steigenden Grundwasser zu erzeugen. "Zum Glück ist das Grundwasser nicht so stark gestiegen wie befürchtet, so dass die Halle keinen Schaden genommen hat", atmet Magdeburgs Stadtoberhaupt auf. Inzwischen haben Mitarbeiter der städtischen Beschäftigungsgesellschaften GISE und AQB mit den Aufräumarbeiten begonnen, so dass die Halle pünktlich zum Start in die neue Handballsaison wieder ihren Zweck erfüllen kann.

Wie hoch die Kosten für den Schutz der Stadt, die Versorgung der Helfer und die Aufräumarbeiten sind, lässt sich bisher nur schätzen. ""Mindestens 2,5 Mio. Euro werden wir allein für Sand und Sandsäcke, Transporte sowie Unterbringung und Verpflegung der Helfer aufbringen müssen", schätzt Oberbürgermeister Dr. Trümper ein. Bislang liegen noch nicht alle Rechnungen vor. "auch der Reparaturaufwand für defekte Geräte und Ausrüstungsgegenstände lässt sich derzeit noch nicht beziffern", ergänzt der für das Amt für Brand- und Katastrophenschutz zuständige Beigeordnete Holger Platz.

"Natürlich treffen uns die Verwüstungen, die das Wasser angerichtet hat schwer, zumal sich die Stadt insgesamt in einer schwierigen finanziellen Situation befíndet", zieht Dr. Trümper Bilanz. "Trotzdem bin ich froh, dass die ersten Prognosen nicht eingetroffen sind, sie wären für Magdeburg verheerend gewesen."

Überwältigt ist Magdeburgs Oberbürgermeister von der Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft, die die Stadt in den Tagen der Bedrohung erfahren hat. "Insbesondere das Engagement der Jugendlichen hat mich sehr angenehm überrascht." Insgesamt halfen 20.000 Freiwillige im Kieswerk Barleben und an der Bördelandhalle beim Füllen von Sandsäcken und an den Deichen beim Sandsackverbau. "Zum Schutz der Stadt wurden auf einer Länge von 24 Kilometern Sandsäcke eingebaut, davon 12,5 Kilometer zur Erhöhung der Deiche", fasst Magdeburgs Feuerwehrchef Helge Langenhan zusammen.

An manchen Tagen waren bis zu 3.400 freiwillige Helfer im Einsatz. Hinzu kamen insgesamt 7.200 Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen wie Bundeswehr, Technisches Hilfswerk, Freiwilligen Feuerwehren, Berufsfeuerwehr, Polizei, DLRG, AQB und GISE. Allein das THW war mit mehr als 90 Ortsverbänden aus ganz Deutschland vor Ort, Feuerwehrleute kamen aus Berlin und Hannover, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft hatte u.a. Spezialtaucher aus Bayern nach Magdeburg gesandt.

Auch die Hilfsbereitschaft und Anteilnahme der Bevölkerung war überwältigend. In der Gieseler-Halle wurden u.a. 3.000 Decken, rund 1.000 Liegen, 1200mal Bettwäsche und 600 Säcke mit Bekleidung abgegeben. 500 Betten und 300 Decken hat die Stadt Magdeburg sofort anderen Hochwasserregionen zur Verfügung gestellt. Weitere Spenden wurden an Hilfsorganisationen übergeben. "Den Rest werden wir einlagern, um für künftige Katastrophen - die wir uns alle nicht wünschen - gerüstet zu sein", erläutert der Oberbürgermeister die Verwendung der Spenden.

Auf dem Spendenkonto der Stadt sind bislang 415.592 Euro eingegangen. Darüber hinaus nahm Oberbürgermeister Dr. Trümper Spenden vom Allee-Center, der Karstadt AG, der Agro "Bördegrün" GmbH & Co KG und der Case Germany GmbH sowie Edeka entgegen. Nach dem Benefizspiel des 1. FC Magdeburg gegen den deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund nahm das Stadtoberhaupt einen Spendenscheck über 65.000 Euro entgegen und auch auf der Dankeschön-Party der Stadt am Samstag im Elbauenpark kamen mehrere tausend Euro an Spenden zusammen.

An betroffene Privatpersonen hat die Stadt bereits rund 40.000 Euro aus der Soforthilfe des Landes Sachsen-Anhalt ausgezahlt. Am Donnerstag vergangener Woche wurde außerdem festgelegt, nach welchen Richtlinien die Hilfen für betroffene Unternehmen verteilt werden. "Der Bund hat uns Soforthilfen für Unternehmen zur Verfügung gestellt, die nun zügig verteilt werden", verspricht der OB. Darüber hinaus wird Magdeburg einen Teil der Spenden verwenden, um den Bewohnern der Gemeinde Gübs zu helfen. "Wir werden den Gübsern Karstadt-Gutscheine im Wert von 500.000 Euro sowie einen Teil der Erlöse aus dem Benefizspiel gegen Borussia Dortmund als Aufbauhilfe zur Verfügung stellen", verspricht Magdeburgs Stadtoberhaupt.

Groß war die Anteilnahme aus ganz Deutschland und der Welt im Gästebuch auf der Homepage der Landeshauptstadt unter Magdeburg.de. "Überhaupt hat sich das Internet im Katastrophenfall als Medium für die schnelle und unverfälschte Information bewährt", benennt Dr. Trümper eine Erkenntnis aus den Tagen des Hochwassers. "Im August hatten wir doppelt so viele Zugriffe auf unsere Seiten wie sonst."

Auch die Resonanz in den regionalen und überregionalen Medien war riesig. Neben Journalisten aller bedeutenden deutschen Tageszeitungen, Agenturen sowie Rundfunk- und Fernsehredaktionen, waren auch Kamerateams aus Polen, Tschechien, Griechenland sowie Journalisten der BBC und der NBC, aus Frankreich und Spanien vor Ort.



Zahlen und Fakten:


1. Historisches.
Im Jahr 1275 hat es ein ähnliches Hochwasser gegeben, mit Elbständen bis zu 8 Metern bei Dresden. In Magdeburg sind vor allem bis zum 16. Jahrhundert Überschwemmungen im Norden der Stadt und auf den Inseln in der Alten Elbe verzeichnet, die auch die Ortslage Rothensee mehrfach überspülten. Damals begradigten die Lostauer und Gerwischer gegen den Willen der Wiesenbauer aus Rothensee einen Knick in der Elbe und stellten den heutigen Flußverlauf im Norden der Stadt Magdeburg her.


2. Hilfskräfte.
Insgesamt waren während des Katastrophenfalls rund 7.200 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Polizei, Bundeswehr und Hilfsorganisationen im Einsatz, an kritischen Tagen bis zu 600. Darüber hinaus waren insgesamt 20.000 freiwillige Helfer im Einsatz, an manchen Tagen bis zu 3.400.

Vor Ort waren:
682 Soldaten der Bundeswehr
rd. 600 Einsatzkräfte des THW
327 Kräfte der Bereitschaftspolizei
209 Einsatzkräfte des DRK
200 Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren
295 Feuerwehrleute von Berufsfeuerwehren

180 Mitarbeiter der Verwaltung organisierten im Katastrophenschutzstab das Katastrophen-Management, rund 150 Mitarbeiter waren rund um die Uhr an der Telefon-Hotline im Einsatz, 60 städtische Mitarbeiter sicherten die Deichwachen.

800 Helfer sicherten den Boden der Bördelandhalle mit 120 000 Sandsäcken.

Ca. 500 Arbeitskräfte von Städtischem Abfallwirtschaftsbetrieb, GISE und AQB sind seit dem 26. August mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, darunter auch Asylbewerber und jugendliche Sozialhilfe-Empfänger.


3. Wasser, Wasser, Wasser.

5 Milliarden Kubikmeter Wasser hat diese Flut in der Elbe zusammen getragen.

20 Millionen Kubikmeter führte die Elbe unmittelbar an Magdeburg vorbei.

Der höchste Wasserpegel an der Magdeburger Strombrücke wurde mit 6,72 Metern in der Nacht vom 19. zum 20. August gemessen.

Ca. 1/6 der Stadtfläche war akut vom Hochwasser bedroht

20.000 Menschen mussten mit einer Evakuierung rechnen.
- 2.454 Betten standen für den Ernstfall einer großen Evakuierung zur Verfügung
- 1.300 Schlafplätze haben Helfern in der Katastrophe gedient
- 90 Menschen wurden aus der Siedlung Schiffshebewerk evakuiert
- 24 Magdeburger nahmen das Angebot eines Übergangsquartiers in Magdeburger Schulen an
- 100 kranke und 300 behinderte Patienten wurden aus den Pfeifferschen Stiftungen evakuiert
- über 100 Tiere brachte der Zoologische Garten außerhalb Magdeburgs in Sicherheit

2 Millionen Sandsäcke sind bei den Deicharbeiten in Magdeburg verbaut worden. 33.000 Euro-Paletten orderte die Feuerwehr für die Aufkatung der Deiche. Auf einer Länge von 3,5 Kilometern wurden die Big Bags der Holländer aufgereiht als zusätzliche Dämme gegen das Wasser, davon 1,5 Kilometer auf dem Werder, der Rest im Hafengebiet.


4. Spenden.

An Sachspenden wurden in der Gieseler-Halle gezählt:
- über 3000 Decken
- ca.: 1000 Liegen
- ca.: 300 Luftmatratzen
- ca.: 1000 Matratzen
- ca.: 600 Schlafsäcke
- rund 1200 x Bettwäsche
- 600 Säcke Bekleidung
- 200 Paar Schuhe und sehr, sehr viel Spielzeug.
500 Betten gab Magdeburg an die Stadt Dessau und 300 Decken in andere Hochwasserregionen.

Auf dem Spendenkonto der Landeshauptstadt Magdeburg gingen bis zum 9. September 415.592 Euro (einschließlich Geldspenden vom Allee-Center und Agro "Bördegrün") ein. Rund 600.000 Euro haben die Braunschweiger für die Hochwasser-Opfer in ihrer Partnerstadt Magdeburg gespendet.

Oberbürgermeister Dr. Trümper nahm Spenden entgegen:
- vom Allee-Center Magdeburg (100.000 Euro)
- Agro "Bördegrün" GmbH & Co KG und Case Germany (10.000 Euro)
- Edeka (Einkaufsgutscheine für 50.000 Euro)
- Karstadt AG (Einkaufsgutscheine für 500.000 Euro)
- Nach dem Benefizspiel des 1. FCM gegen Borussia Dortmund (65.000 Euro)

Darüber hinaus gab es zahlreiche Hilfsangebote, z.B.
- aus den Magdeburger Partnerstädten Braunschweig und Sarajewo
- spendete eine Familie aus Trier ihre komplette Wohnungseinrichtung für eine Hochwasser-Familie in der Region MD
- versprachen Vertreter islamischer Religionsgemeinschaften und des Türkischen Kulturvereins, in ihren Glaubensgemenschaften für Hochwasser-Opfer zu spenden

5. Schäden und Kosten.

Die Kosten zur Sicherung der Stadt schätzt das Amt für Brand- und Katastrophenschutz bislang auf 2,5 Mio. Euro. Darin enthalten sind Kosten für Sandsäcke, Sand, Transporte und die Versorgung der Hilfskräfte. Mindestens 1,6 Mio. Euro wird der Städtsiche Abfallwirtschaftsbetrieb für die Entsorgung der Sandsäcke und anschließende Säuberungsarbeiten aufbringen müssen.

Die Schäden summieren sich bisher auf rund 22 Mio. Euro, davon
- 1,25 Mio Euro Straßen und Brücken
- 1,7 Mio. Euro Grünanlagen, Brunnen und Wege
- 1,595 Mio. Euro Sportstätten
- 0,75 Mio. Euro Haus der Athleten
- 1,5 Mio. Euro Gleisanlagen, Schiffsanleger
- 11,2 Mio. Euro für bauliche Anlagen im Herrenkrug (Hotel, Sportpark, Rennwiesen)
- 4,5 Mio. Euro bei Unternehmen in Rothensee (Infrastruktur, Anlagensicherung)
- 0,175 Mio. Euro in der Stadthalle (Haustechnik)

40.000 Euro hat die Stadt an Soforthilfen an betroffene Privatpersonen gezahlt. 33 Unternehmen haben beim Regierungspräsidium Antrag auf Soforthilfe des Landes gestellt.


6. Öffentlichkeitsarbeit:

- wichtigstes Medium zur direkten Information war das Internet -magdeburg.de hatte im August 230.000 Besucher - doppelt so viele wie sonst in einem Monat
- 88 Presse-Informationen hat die Stadt in der Zeit vom 14. bis 30. August an die Medien gegeben, 9 Presse-Konferenzen und Vor-Ort-Termine wurden im gleichen Zeitraum angeboten
- im Gästebuch auf der Homepage gab es mehr als 90 Eintragungen mit Anteilnahme, guten Wünschen und Hilfsangeboten
- während des Katastrophenalarms gingen stündlich durchschnittlich 15 Anfragen von Medienvertretern aus Deutschland und Europa ein, alle großen Tageszeitungen, Agenturen, Nachrichtenmagazine, Rundfunk- und Fernsehredaktionen interessierten sich für die Situation in Magdeburg
- 15.000 Anrufe gingen während des Hochwassers bei der Bürger-Hotline im Rathaus ein. Betreut wurde die Hotline von Mitarbeitern der Stadtverwaltung.